Die häufigsten Fragen an mich als Bürgermeister

Macht dir die Arbeit nach 18 Jahren als Bürgermeister immer noch Spaß?

Und ob! Es ist für mich sehr erfüllend, wenn ich für die Menschen da sein kann und wenn ich spüre, dass viele Menschen mir vertrauen. Es ist schön, meine Heimatgemeinde mitgestalten zu können. Die Arbeit ist unendlich abwechslungsreich und vielfältig. Von Eheschließungen bis zum klappernden Kanaldeckel, von Grundstücksverhandlungen bis zu einer Baustellenbegehung, vom Notartermin bis zum Gratulationsbesuch bei runden Geburtstagen älterer Personen, von der Haushaltsplangestaltung für unsere Gemeinde bis zur Erstellung eines Radwegekonzeptes geht das Arbeitspektrum. Zugegeben, es bleibt nicht viel Zeit für das Privatleben, aber daran habe ich mich gewöhnt.

Was waren die schönsten Erfolge deiner bisherigen Amtszeit?

Ach, da fällt mir einiges ein: Das Naturerlebnisbad, für das wir den mit 50.000.-€ dotierten bayerischen Umweltpreis erhalten haben, die Wiederbelebung des Gewerbeparks in Ernstkirchen, die Sanierung des Sackhauses, das heute voller Leben ist, die Ortsdurchfahrt in Schneppenbach, der Rathausbau, der Erwerb des Bauhofgeländes in der Vormwalder Str., und nicht zuletzt die vielen Maßnahmen im Zuge der Dorferneuerung in Hofstädten mit dem tollen Dorfladen,….

Was waren deine schönsten Momente als Bürgermeister?

Gerne erinnere ich mich an die Silvesternacht zum Jahr 2000, als über 300 Bürgerinnen und Bürger unsere Urkunde unterzeichnet haben, in der es heißt: “Heute, in der Silvesternacht zum Jahr 2000, wünschen wir Bürgerinnen und Bürger des Marktes Schöllkrippen uns für die Zukunft Frieden, Freiheit und Gottes Segen. Alle Menschen, ob reich oder arm, jung oder alt, weiß oder schwarz, Mann oder Frau, sollen im Zeichen der Linde Heimat finden können. Unser Bestreben ist es, die Souveränität unserer Heimat zu stärken, die Einigkeit unter uns zu bewahren und die Schönheit unserer ganzen Region zu erhalten." Ein starker, sehr bewegender Moment!
Ich denke bei dieser Frage aber auch an die Fahrten in unsere Partnergemeinde Kochanowice. Die Gastfreundschaft dort ist überwältigend! Immer sind wir reich beschenkt nach Hause gefahren.

Auch meine Faschingsauftritte in der Bütt der KGS waren immer Highlights. Auch wenn so eine Büttenrede für mich immer richtig Arbeit macht - schön waren die Auftritte immer. 

Worüber hast du dich am meisten geärgert. Was waren die schlimmsten Momente deiner bisherigen Amtszeit?

Ach, da gab es mal einen Brief eines Gemeinderates im Mitteilungsblatt, voller Unterstellungen und Falschinformationen… . Aber das ist Schnee von gestern. Richtig schlimm waren lodernde Wohnhaus- oder Firmenbrände. Auch schlimme Todesfälle in unserer Gemeinde haben mich sehr mitgenommen.
Andererseits waren es aber auch gerade diese schlimmsten Momente, in denen eine ganz große Hilfsbereitschaft, grandioses Mitgefühl und Solidarität unserer gesamten Dorfgemeinschaft erfahrbar wurde.

Und Enttäuschungen…?

Ja, die gab es auch. Noch immer denke ich, dass ein Bürgerhaus in unserer Ortsmitte, für das ein 70%-iger Zuschuss zugesagt war, uns sehr vorangebracht hätte. 21% der Wahlberechtigten haben es abgelehnt, viele gingen nicht zum Bürgerentscheid. So ist Politik! Das muss man akzeptieren. Auch der Bau eines Solarparks wurde verhindert, obwohl mir die Beteiligung an der Energiewende wichtig ist. Schade!

Was ist nun mit den Gemeindeschulden?

Zum Beginn meiner Amtszeit hatte der Markt Schöllkrippen 1280 € Schulden pro Einwohner. Jetzt sind es noch 1188 €. Für Großprojekte (Wasserversorgung, Sackhaus, Naturerlebnisbad, Ortsdurchfahrt Schneppenbach) mussten wir auch in meiner Amtszeit bis 2003 noch Darlehen aufnehmen. Seit 2003 bauen wir die Schulden kontinuierlich ab. Der Schuldendienst fällt der Gemeinde sehr leicht, weil insbesondere durch die Kanal- und Wassergebühren, aber auch durch die Friedhofgebühren - das sind kostenrechnende Einrichtungen - Zins und Tilgungsleistungen der Gemeinde jährlich immer wieder zufließen, ohne dass für die Bürger diese Gebühren sehr hoch wären. Wichtig ist auch, dass wir in den letzten 18 Jahren ca. 37 Mio. € investiert und damit bleibendes Vermögen (Beteiligung KVG; Photovoltaikanlagen, Bürogebäude Gewerbepark, u.a.) geschaffen haben. Dies war möglich, weil wir die Einnahmen der Gemeinde erheblich verbessert haben. Vor 18 Jahren musste die Gemeinde in machen Jahren noch Darlehen aufnehmen, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. In den letzten Jahren hatten wir durchschnittlich 1 Mio. € jährlich übrig (Im Jahr 2013 werden es sogar ca. 1,5 Mio. € sein). Diese konnten und können wir in gemeindliche Projekte investieren. Dem Markt Schöllkrippen, auch wenn manchmal anderes behauptet wird, geht es finanziell richtig gut.

Ist der Markt Schöllkrippen für die Zukunft gerüstet?

Wir haben uns im Markt Schöllkrippen zwischenzeitlich einige finanzielle Spielräume geschaffen. Diese gilt es zu nutzen! Es muss gelingen, den Markt Schöllkrippen als Einzelhandels- und Gewerbestandort einerseits, aber auch als Wohnort mit großer Wohn- und Freizeitqualität andererseits zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Unsere Nähe zum Rhein-Main-Gebiet, aber auch unsere Nähe zum herrlichen Spessart mit seinem hohen Freizeitwert bietet uns beste Chancen, die es zu nutzen gilt.

Was macht dich stolz, wenn du an den Markt Schöllkrippen denkst?

Es gibt so viel ehrenamtliches Engagement. Man muss nur die Augen öffnen. In unserer Bücherei, im Dorfladen, in der Seniorenbegegnung, in der Alzheimergesellschaft, im Eine-Welt-Laden, in den Feuerwehren, in den beiden Kirchengemeinden, in den Dorferneuerungsverfahren und vor allem auch in unseren Vereinen wird eine tolle Arbeit geleistet. Denken wir nur daran, dass die Wasserwacht Deutscher Meister wurde und Dienst im Freibad leistet, dass es in unseren Sportvereinen eine tolle Jugendarbeit gibt, dass unser Heimat- und Geschichtsverein für seine Ortsführungen berühmt ist. Und was wäre Schöllkrippen ohne seine Karnevallisten mit seinen großen Tanzgruppen?! Das sind nur Beispiele, vieles muss hier ungenannt bleiben. Ich glaube, auf dem Gebiet des ehrenamtlichen Engagements sind wir Spitze, das macht uns so schnell keiner nach. Dass wir 2004 von einer überregionalen Sonntagszeitung nach einer Leserbefragung den Titel „Superkommune“ bekamen, war in diesem Zusammenhang auch eine schöne Erfahrung.

Was waren die interessantesten Begegnungen deiner Amtszeit?

Im Jahr 2000 gab es in Innsbruck einen internationalen Kongress „1000 Städte für Europa“ mit Bürgermeistern und Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft aus ganz Europa.

2004 flog ich von meinem Urlaub auf Rügen nach München, um im Beisein von Landrat Dr. Reuter und den Herren Norbert Geis (MdB) und Peter Winter (MdL) mit Herrn Staatsminister Beckstein über den Ausbau der Staatsstr. 2305 zwischen Schöllkrippen und Blankenbach zu verhandeln. Nachdem ich zunächst getadelt wurde, weil wir in Schöllkrippen eine Demonstration angezettelt hatten, endete das ca. 90 minütige Gespräch mit dem Satz von Herrn Staatsminister Beckstein: „Dann machen wir das eben!“

Ich durfte in der Münchner Residenz zweimal Preise für unsere Gemeinde entgegen nehmen. Einmal 10.000.-€ für die vorbildliche Seniorenarbeit in unserer Gemeinde und einmal den mit 50.000.-€ dotierten bayerischen Umweltpreis für unser Naturerlebnisbad.

Auf Einladung der Fokolare Bewegung durfte ich als deutscher Bürgermeister im Beisein von Romano Prodi, damals Präsident der Europäischen Kommission und zahlreichen berühmten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Florenz an Chiara Lubich im Palzzo Veccio dabei sein.

Sehr oft durfte ich unser Naturerlebnisbad vorstellen. Wir hatten Gäste aus ganz Deutschland, der Schweiz, aus Schweden und aus Frankreich. Gerne erinnere ich mich an meine Vorträge auf den Landesgartenschauen in Kehl und in Luxembourg.

Kürzlich erhielt ich eine Einladung im Rahmen meiner Mitarbeit im „Forum für Politik und Geschwisterlichkeit“ zu einem Vortrag an der Universität von Dnjepopetrowsk in der Ukraine zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement als Baustein einer lebendigen Zivilgesellschaft in den Kommunen“. Es war ein anstrengendes aber sehr, sehr beeindruckendes Erlebnis.



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